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  #1  
Alt 14.09.2015, 10:40
sincos sincos ist offline
Gewerblicher Teilnehmer
 
Registriert seit: 27.04.2014
Beiträge: 604
Standard Die natürliche Musikwiedergabe

Hallo Leute, habe mich lange nicht gemeldet, weil ich beschäftigt war. Unter anderem auch damit, mir viele angeblich "außergewöhnliche" oder "legendäre" Lautsprecher anzuhören (Namen werden nicht genannt, um mir nicht wieder vorwerfen zu lassen, ich wollte andere Produkte schlecht machen), bei denen sich immer wieder das Gleiche herausstellte: Beim ersten Hinhören teilweise "nicht schlecht", aber in jedem Einzelfall war eine unzureichende Phasenparallelität die Ursache für Klangverfärbungen und Verzerrungen in der räumlichen Wiedergabe.

Ich hoffe, dass die folgenden Ausführungen allgemeinverständlich genug sind, um die wesentlichen Zusammenhänge zu erklären:

Idealerweise sollte ein Paar Lautsprecherboxen, das stereophon Musik wiedergibt, unhörbar sein, d. h. die Musik soll dreidimensional in den Hörraum projiziert werden und darf nicht am Einzellautsprecher "festkleben". Um dieses Ziel zu erreichen, wird viel über die so genannte Phasenlinearität diskutiert, und es wird in der Werbung immer wieder herausgestellt, dass ein "phasenlineares System" mit möglichst "idealer Impulsantwort" die Lösung sei. In der Praxis stellt sich aber heraus, dass passive Mehrwegelautsprecher, die mit viel Erfahrung und Geduld vorwiegend empirisch und nach keiner Theorie entwickelt wurden, gehörmäßig eher gefallen. An der Theorie der "linearen Phase" kann irgendetwas nicht stimmen.

Die Klangqualität eines Mehrwege-Lautsprechersystems wird nicht zuerst von den Qualitäten der Einzellautsprecher bestimmt, sondern vom möglichst perfekten Zusammenspiel aller Komponenten. Schon ein preisgünstiger aber ansonsten ordentlich konstruierter Hochtöner kann hohe Töne besser wiedergeben als der teuerste Breitbandlautsprecher, und ein Tiefmitteltöner mit großem linearem Hub und verwindungssteifer Membran ist dem Breitbänder in der Basswiedergabe überlegen. Wird der Hochtöner aber unvorteilhaft an den Tiefmitteltöner angekoppelt, klingt das Zweiwegesystem "zum Weglaufen", während mit dem Breitbänder schon auf relativ hohem Niveau Musik gehört werden kann. Der Knackpunkt ist also die Frequenzweiche. Über den bisherigen Stand der Technik für passive, aktive analoge und aktive digitale Frequenzweichen informieren diese vier pdf-Dateien:

http://www.swupload.com//data/Analog-Audio-Passive-Crossover.pdf
http://www.swupload.com//data/Analog-Audio-Active-Crossover.pdf
http://www.swupload.com//data/Digital-Audio-IIR-Crossover.pdf
http://www.swupload.com//data/Digital-Audio-FIR-Crossover.pdf

Dabei werden die akustischen Übertragungsfunktionen der Einzellautsprecher, die in erster Näherung jeweils einem Hochpass 2. Ordnung entsprechen, bereits in die Entwicklung der Frequenzweiche mit einbezogen, um "über alles" einen linearen Amplitudenfrequenzgang der akustischen Summe mit zudem möglichst flachem Phasenfrequenzgang zu realisieren. Das wird dann als "phasenlinear" oder "zeitrichtig" bezeichnet. Tatsächlich ist aber die "Phasenlinearität" (die masselose Membranen voraussetzen würde, die es nicht gibt) des Summensignals von untergeordneter Bedeutung, weil sich das Ohr einigermaßen tolerant gegenüber dem absoluten Phasenfrequenzgang der Summe verhält. Unter der einzigen Voraussetzung, dass die Phasenfrequenzgänge beider Stereokanäle identisch sind, bleibt eine stetige Phasenverschiebung bis über 1400° von 20Hz bis 20kHz praktisch unhörbar! Gehörmäßig umso wichtiger ist dagegen die Phasenparallelität der einzelnen Wege (also zwischen Hochtöner, Mitteltöner und Tieftöner eines Mehrwegesystems), denn auf die relative Phase zwischen den Einzellautsprechern im Übernahmebereich reagiert das Ohr außerordentlich empfindlich. Schon 5° bis 8° Phasendifferenz sind bei Verwendung der besten Einzellautsprecher (z. B. mit Hexacone- oder Keramik-Membranen) und der besten Leistungsverstärker noch als Klangverfärbung hörbar. Auf die Phasenparallelität wurde aber bisher kaum geachtet, weder bei konventionellen analogen noch bei digitalen Aktivweichen, und mit passiven Frequenzweichen ist eine exakte Phasenparallelität gar nicht machbar. Darum werden für passive Mehrwegelautsprecher "weich" klingende Leistungsverstärker bevorzugt (was oftmals als "Musikalität" eines Leistungsverstärkers interpretiert wird), damit die Phasenfehler nicht ganz so unangenehm auffallen.

Nicht allein entscheidend, aber generell zuerst entscheidend für die Wiedergabequalität eines Mehrwegelautsprechers ist also die exakte Phasenparallelität der einzelnen Wege und nicht die "Phasenlinearität" der Summe. Wenn z. B. ein passiver 2-Wege-Lautsprecher mit legendärer "6dB-Weiche" (1. Ordnung) – die keine ist, da schon die Einzellautsprecher selbst Hochpässe 2. Ordnung sind, sodass sich im Hochton ein verquerer Hochpass 3. Ordnung ergibt – tendenziell besser klingt als einer mit 12dB-Passivweiche (2. Ordnung) – was im Hochton einen verqueren Hochpass 4. Ordnung ergibt -, liegt das nicht an der "linearen Phase", sondern daran, dass aufgrund des insgesamt flacheren Phasenfrequenzgangs auch die Phasenparallelität etwas besser ist. Bei unzureichender Phasenparallelität ist eine natürliche Musikwiedergabe unmöglich; der Klang ist verfärbt. Schon eine Phasendifferenz zwischen Tiefmitteltöner und Hochtöner von z. B. 16°, die im Übernahmebereich nur eine geringe Pegelsenke von -0,14dB bewirkt, ist deutlich als Klangverfärbung hörbar und übliche Phasendifferenzen von 30/40/50°, deren äquivalente Pegelsenken mit -0,5/-0,9/-1,4dB noch immer in den üblichen Schalldruckschwankungen realer Lautsprecherchassis untergehen, verfärben den Klang erst recht. Daraus ergibt sich die Kuriosität, dass in Exponentialhörnern eingebaute Breitbandlautsprecher, selbst wenn ihr Amplitudenfrequenzgang deutlich unausgeglichener ist, noch immer natürlicher klingen als konventionelle Mehrwegesysteme.

In den obigen vier pdf-Dateien werden die Phasenfrequenzgänge der einzelnen Wege gar nicht gezeigt, bzw. einfach ignoriert. Die folgende Graphik zeigt die vollständige Simulation (mit den Übertragungsfunktionen der Einzellautsprecher und allen Phasenfrequenzgängen) eines typischen 3-Wege-Systems mit passiver Frequenzweiche 2. Ordnung:

http://www.swupload.com//data/3-Wege_Bu2_passiv_Phase_LS.pdf

Mit bisherigen analogen oder digitalen Aktivweichen war das kaum besser hinzukriegen; die resultierende Klangqualität war mehr oder weniger Glückssache. Je nach Art und Weise, in der die einzelnen Phasenfrequenzgänge mehr oder weniger chaotisch durcheinander laufen, ergeben sich immer wieder andere Klangverfärbungen und Verzerrungen in der räumlichen Wiedergabe, die allein am Amplitudenfrequenzgang der Summe praktisch nicht zu erkennen sind. Mit denselben Einzellautsprechern und im Rahmen der Messgenauigkeit auch jeweils identischem Amplitudenfrequenzgang lassen sich fast beliebig viele Mehrwegesysteme aufbauen, die alle unterschiedlich aber niemals natürlich klingen, weil die einzelnen Phasenfrequenzgänge immer anders aber nie exakt parallel verlaufen!

1. Phasenparallele Aktivweiche

Ist die Phasenparallelität zwischen den Wegen nicht nur grob angenähert, sondern im Rahmen der Genauigkeit aller Bauteile der Aktivweiche mathematisch exakt, verhalten sich Mehrwegesysteme akustisch wie "ideale Breitbandsysteme" mit vollkommen natürlicher Musikwiedergabe. Ein solches Ergebnis konnte bisher nicht einmal simuliert werden…

http://www.swupload.com//data/M-10_150606.pdf

…und ist jetzt bei Audio Optimum zu hören:

http://www.swupload.com//data/AOM263-422_150607-3.pdf

In der Simulation sind die einzelnen Phasenfrequenzgänge von Tiefton, Mittelton, Hochton und akustischer Summe genau deckungsgleich und überhaupt nicht mehr als getrennte Linien zu erkennen. Die drei Lautsprecher arbeiten perfekt zusammen, d. h. in den Übernahmebereichen schwingen die beteiligten Membranen immer gleichzeitig auf das Musiksignal ein, sodass die Einzellautsprecher nicht mehr als solche hörbar sind, bzw. nicht mehr aus dem Klangbild hervorstechen. Die reale Messung zeigt eine sehr gute Übereinstimmung von Theorie und Praxis, d. h. erstmalig gibt es eine schlüssige Theorie für Mehrwegesysteme, die durch Empirie (Versuch und Irrtum) nicht zu widerlegen ist. Der Studiomonitor M-10 ist in der Natürlichkeit der Musikwiedergabe einzigartig und allein die größeren Sonus Fidelis Systeme mit Hexacone- und Keramik-Membranen sowie echter D’Appolito-Abstimmung erreichen eine noch höhere Detailauflösung sowie eine noch präzisere räumliche Abbildung bei größtmöglicher Unhängigkeit vom jeweiligen Hörraum.

Die exakte Phasenparallelität wird nicht digital, sondern durch eine analoge Linkwitz-Riley-Frequenzweiche 4. Ordnung in Kombination mit einer Allpass-Matrix 2. Ordnung und jeweils einer Linkwitz-Transformation für jeden Einzellautsprecher des Mehrwegesystems erreicht. Die Einzelschaltungen, bis auf die Allpässe 2. Ordnung, sind hier beschrieben:

http://www.linkwitzlab.com/filters.htm

Die Gesamtschaltung ist aufwändiger als bei bisherigen Aktivweichen, stellt aber zugleich die einfachste Möglichkeit dar, ein 3-Wege-System natürlich klingen zu lassen:

http://www.swupload.com//data/AOM263-422_150606_asc.pdf

Einfachere Prinzipschaltungen ermöglichen noch keine exakte Phasenparallelität und führen somit zu hörbaren Klangverfärbungen und Verzerrungen in der räumlichen Wiedergabe. Die Lösung besteht darin, die akustischen Hochpässe 2. Ordnung der Einzellautsprecher über Linkwitz-Transformationen in die LR4-Hochpassfunktionen der Frequenzweiche sowie in die Bu6-Hochpassfunktion der Basskorrektur zu integrieren und die Phasenfrequenzgänge in den einzelnen Wegen mit einer Allpass-Matrix 2. Ordnung über Kreuz zu kompensieren und damit zur Deckung zu bringen. Die zusätzlichen, mit T-Delay und MT-Delay bezeichneten Bessel-Allpässe 2. Ordnung, die in der Simulation noch nicht dimensioniert sind, bewirken für plus minus zwei Oktaven um die Übernahmefrequenzen herum eine frequenzproportionale Phasenverschiebung und damit eine frequenzunabhängige Signalverzögerung, um die akustischen Zentren der Einzellautsprecher elektronisch verschieben zu können. Die Bessel-Allpässe werden durch akustische Messung am Realsystem dimensioniert.

2. Aktiv gefiltertes, geschlossenes Basssystem 6. Ordnung

Bei passiven Lautsprecherboxen verbleibt in der Regel nur ein Bassreflexsystem für eine ausreichend laute und tiefreichende Basswiedergabe. Dazu wird ein Helmholtz-Resonator an die Rückseite der Bassmembran angekoppelt, was einen akustischen Hochpass 4. Ordnung ergibt. Nachteilig ist, dass auch bei korrekter Abstimmung der Helmholtz-Resonator relativ lange nachschwingt und die Präzision der Basswiedergabe deutlich verschlechtert. Deutlich präziser ist ein geschlossenes Basssystem, das in Kombination mit einem elektronischen Hochpass vor dem Bassverstärker eine akustische Hochpassfunktion höherer Ordnung ergibt. Beschränkt man sich wie bei bisherigen Aktivsystemen auf die 4. Filterordnung, bleibt die Basswiedergabe relativ "schlank" und kann in der Lautheit mit Bassreflexsystemen vergleichbarer Baugröße kaum mithalten. Mit einer Erweiterung auf die 6. Filterordnung kann auch dieser Nachteil wieder ausgeglichen werden, um mit einem aktiv gefilterten, geschlossenen Basssystem eine mindestens gleich laute, aber gleichzeitig präzisere und tiefreichendere Basswiedergabe zu erzielen, als dies mit einem passiven Bassreflexsystem möglich wäre. Mit einem einfachen "Bassboost" hat das aber nichts mehr zu tun, sondern erfordert einen genau berechneten elektronischen Hochpass 4. Ordnung und eine Linkwitz-Transformationsschaltung, die in Kombination mit dem akustischen Hochpass 2. Ordnung des Basslautsprechers im geschlossenen Gehäuse insgesamt eine akustische Butterworth-Hochpassfunktion 6. Ordnung ergeben.

Je nach Anwendung können dabei auch andere Hochpassfunktionen zum Einsatz kommen. Beim Subwoofer-Satelliten System Sonus Fidelis 3 ist der Subwoofer auf eine Linkwitz-Riley-Hochpassfunktion 6. Ordnung abgestimmt, die gegenüber einer Butterworth-Funktion einen flacheren Kurvenverlauf und eine -6dB-Grenzfrequenz anstelle einer -3dB-Grenzfrequenz aufweist. Für einen Basslautsprecher in Bodennähe ist das vorteilhaft. Beim kleinsten Studiomonitor M-6 wird dagegen eine spezielle Tschebyscheff-Hochpassfunktion 6. Ordnung mit 75µdB (Mikrodezibel) Überschwinger verwendet, die selbstverständlich in keiner Filtertabelle zu finden ist, aber es überhaupt erst ermöglicht, dass der vergleichsweise winzige Nahfeldmonitor eine so unglaubliche Tiefbasswiedergabe aufweist, dass man sich nur noch fragt: "Wo ist denn da der Subwoofer versteckt?"

3. SINCOS® TWM-Vollbrückenendstufe

Als ein selbstschwingender PWM- (Puls Wide Modulation) Leistungsverstärker mit einer vom Modulationsgrad unabhängigen Eigenfrequenz kommt der international zum Patent angemeldete Sinus-Cosinus-Modulator (TWM = Time Wave Modulation) dem idealen Hifi- Verstärker näher als jedes andere bekannte Schaltungsprinzip. Einziger Nachteil ist ein etwas höheres Grundrauschen, was aber noch deutlich unter dem Rauschniveau der besten Musikaufnahmen bleibt und darum praktisch zu vernachlässigen ist. Dafür gibt es keine nennenswerten Wärmeverluste und bis zur Maximalleistung entstehen auch keine hörbaren Verzerrungen. Im Unterschied zu verlustbehafteten Class-A- oder Class-AB-Verstärkern, die bei hoher Lautstärke hörbar "angestrengt" klingen, können TWM-Verstärker feinste musikalische Details hörbar machen und dabei noch völlig mühelos auch extreme Lautstärkepegel reproduzieren, weil die ultraschnell schaltenden Leistungstransistoren mit minimalem Einschaltwiderstand die Last (egal wie komplex) nicht merken. Der angetriebene Lautsprecher hat keine Chance, ein Eigenleben zu entwickeln, denn die TWM-Vollbrückenendstufe kann die in der Schwingspule induzierte Gegen-EMK kontrolliert in die Betriebsspannung zurückspeisen. Gerade deshalb ist der ideale Hifi-Verstärker nicht für Lautsprecherboxen mit passiver Frequenzweiche zu empfehlen.

Werden Mehrwegelautsprecher mit unzureichender Phasenparallelität über hochauflösende TWM-Endstufen betrieben, sind die Phasenfehler viel zu deutlich und unangenehm hörbar. Die klangliche "Härte" entsteht gerade beim Betrieb an einem maximal linearen Verstärker! Damit eine passive Mehrwege-Lautsprecherbox "angenehm" klingt, muss sie über einen nichtlinearen "weichen" Verstärker betrieben werden, dessen harmonische Klirrkomponente K2 relativ zu den höheren und unharmonischen Klirrkomponenten überwiegt. Je nach spektraler Verteilung der Klirrkomponenten ändert sich die "Weichheit" des Klangs, was in Verbindung mit den spezifischen Phasenfehlern konventioneller Mehrwege-Bassreflexboxen den jeweiligen "Charakter" einer passiven Verstärker-Lautsprecher-Kombination ausmacht. Was das mit "High-End" zu tun hat, bleibt fraglich (und wird immer fraglicher, wenn dann auch noch über "ganz besondere" Kabelverbindungen diskutiert wird), aber es ist damit die Frage beantwortet, warum Studiomonitore und Hifi-Lautsprecherboxen in verschiedene Richtungen entwickelt wurden, obwohl sie doch beide das Gleiche tun sollen, nämlich Musik – und beim Filmton auch Sprache und Geräusche – möglichst authentisch wiederzugeben.

Ein Studiomonitor soll analytisch und neutral sein (damit der Toningenieur hört, was er produziert) und wird vorwiegend messtechnisch/theoretisch entwickelt, während ein Hifi-Lautsprecher angenehm und interessant sein soll (damit er nicht "zum Weglaufen" klingt) und darum gehörmäßig/praktisch (bzw. vorwiegend empirisch) entwickelt wird. Für einen Toningenieur ist ein typischer Hifi-Lautsprecher "ungenau" und "schönfärberisch", während der Hifi-Enthusiast einen typischen Studiomonitor als "unmusikalisch" und "eher langweilig" empfindet. In beiden Fällen ist die Ursache eine unzureichende Phasenparallelität und die damit verbundene Diskrepanz zwischen der theoretischen und der praktischen Entwicklung von Mehrwegelautsprechern, wobei Ausnahmen wie immer die Regel bestätigen.

Ganz anders verhält es sich bei Anwendung der phasenparallelen Aktivweiche. Jetzt können mit verschiedenen Aufnahmen (Musik und Filmton) die Qualitäten der verwendeten Einzellautsprecher und der Leistungsverstärker gehörmäßig richtig beurteilt werden und umgekehrt ist mit den besten Einzellautsprechern und Leistungsverstärkern die wahre Aufnahmequalität zu hören. Die "ganz besonderen" Kabelverbindungen stellen sich ebenfalls als das heraus, was sie sind, nämlich nichts weiter als überteuerter Unfug.

In der Kombination ermöglichen die phasenparallele Aktivweiche, das aktiv gefilterte und geschlossene Basssystem 6. Ordnung und der SINCOS-Leistungsverstärker erstmals die natürliche Musikwiedergabe. Bei größtmöglicher Übereinstimmung von Theorie und Praxis garantieren die Audio Optimum Vollaktivsysteme sowohl eine bisher unerreichte Analytik und Neutralität im Tonstudio als auch im Wohnzimmer ein ganz neues audiophiles Klangerlebnis.

Homogene Schallabstrahlung

Die allermeisten Mehrwegelautsprecher haben noch immer eine Passivweiche und dafür gilt die einfache Regel (im Folgenden als "Hochtonregel" bezeichnet), dass ein Hochtöner mindestens eine Oktave (Faktor 2) – besser noch anderthalb bis zwei Oktaven – oberhalb seiner Eigenresonanzfrequenz eingesetzt werden sollte. Je weiter die Hochtonregel verletzt wird, umso mehr sticht der Hochtöner aus dem Klangbild hervor und fängt an, so richtig zu nerven. Das hat wenig mit einer vermuteten Überlastung zu tun, denn der Hochtöner nervt auch schon bei geringer Lautstärke. Warum und wie das zu korrigieren ist, wird gleich erklärt, aber mit den begrenzten Mitteln einer Passivweiche ist das ohnehin nicht zu ändern, die Hochtonregel muss mindestens eingehalten werden, was zu einem weiteren Problem führt: Damit der Hochtöner nicht nervt, wird in der Regel die Übernahmefrequenz so hoch gewählt, dass auf eine homogene Schallabstrahlung des Mehrwegesystems verzichtet werden muss. Einzige Ausnahme bildet ein Koaxialsystem, das aber wieder andere Probleme bereitet, denn entweder ist der koaxiale Hochtöner im Magneten des Tiefmitteltöners eingebaut, sodass dessen größere Membran als unvorteilhafter Horntrichter für die Hochtonabstrahlung wirkt, oder der koaxiale Hochtöner befindet sich auf einem Steg und damit vor dem akustischen Zentrum des Tiefmitteltöners, sodass eine Laufzeitkorrektur erforderlich wird, die passiv kaum zu realisieren ist. Ordentliche Koaxialsysteme, die auch mit einer Passivweiche einigermaßen funktionieren, finden sich ganz selten, und so wird der Hochtöner meist über dem Tiefmitteltöner in die Schallwand gesetzt. Für eine homogene Schallabstrahlung muss dann die zur Übernahmefrequenz äquivalente Schallwellenlänge mindestens 1,5-mal so groß sein wie die Entfernung der Mittelpunkte von Tiefmittelton- und Hochtonmembran. Das ist aber kaum zu erfüllen, wenn auch die Hochtonregel mindestens eingehalten werden muss. Z. B. darf bei einem typischen 2-Wege-System, bestehend aus 18cm-Tiefmitteltöner und Hochtöner mit 10cm-Frontplatte, die Übernahmefrequenz nicht wesentlich über 1,5kHz liegen, sonst gibt es keine homogene Abstrahlung (nur eine Hauptabstrahlkeule), sondern es bilden sich durch Interferenz im Übernahmebereich drei Abstrahlkeulen, wobei die erste auf den Boden, die zweite wie gewünscht nach vorn und die dritte mindestens so unerwünscht wie die erste gegen die Decke strahlt. Bei der oft für ein typisches 2-Wege-System gewählten Übernahmefrequenz von 2,5kHz ist die unerwünschte Schallabstrahlung im Übernahmebereich – in dem das Ohr besonders empfindlich ist – bereits deutlich energiereicher als die gewünschte.

Die Hochtonregel ergibt sich daraus, dass ein Hochtöner wie jeder Hochpass 2. Ordnung die Phase im Bereich der Resonanzfrequenz f0 um 180° dreht. Weit unterhalb von f0 ist die Phase +180°, bei f0 beträgt sie genau +90°, und erst weit über f0 geht die Phase gegen 0°. Die Steilheit des Übergangs von +180° zu 0° wird durch den Gütefaktor Qtc bestimmt. Wird der Hochtöner zu nah an seiner Eigenresonanzfrequenz betrieben, stimmt die Phasenlage zwischen Tiefmitteltöner und Hochtöner überhaupt nicht mehr, es kommt zu einer Auslöschung am unteren Ende des Übernahmebereichs und somit sticht der Hochtöner gehörmäßig unangenehm aus dem Klangbild hervor. Das tut er über eine Passivweiche betrieben im Grunde immer, nur jeweils mehr oder weniger unangenehm. Da hilft es auch nicht, den Hochtöner gegenüber dem Tiefmitteltöner nach hinten zu schieben (abgestufte Schallwand), denn die Phasenverschiebungen aufgrund eines mechanischen Versatzes der akustischen Zentren der Einzellautsprecher, die Phasendrehungen der Frequenzweiche und die Phasendrehungen der Lautsprecher aufgrund ihres Masse-Feder-Systems und sind drei verschiedene Paar Schuhe. Die drei Ursachen für eine unzureichende Phasenparallelität lassen sich nicht gegenseitig, sondern nur jede einzelne für sich kompensieren – und das vollständig nur mit der hier beschriebenen phasenparallelen Aktivweiche!

Echte D'Appolito-Abstimmung

Wird nicht ein Tiefmitteltöner verwendet, sondern derer zwei, diese vertikal übereinander und der Hochtöner dazwischen gesetzt, muss die Übernahmefrequenz für eine homogene Schallabstrahlung noch deutlich tiefer liegen, denn jetzt ist der deutlich größere Abstand zwischen den Membranzentren der beiden Tiefmitteltöner maßgebend. Das ist mit einer Passivweiche nicht mehr hinzukriegen und mit einer gewöhnlichen Aktivweiche auch nicht, sodass alle bisherigen Lautsprecherboxen, die so aussehen als wären sie welche, keine echten D'Appolito-Lautsprecher sind, sondern "optische D'Appolito-Imitationen" mit viel zu hoher Übernahmefrequenz. Das (drei Abstrahlkeulen aufgrund einer viel zu hohen Übernahmefrequenz, wobei die erste auf den Boden und die dritte gegen die Decke strahlt) führt die zugrunde liegende Theorie ad absurdum, nach der sich in der Vertikalen eine Schallbündelung einstellen soll, um Boden- und Deckenreflexionen zu minimieren, während die horizontale Abstrahlung für eine bestmögliche Stereowiedergabe ungebündelt bleibt.

Die Sonus Fidelis 1 bis 4 von Audio Optimum sind echte D'Appolito-Lautsprecher auf der Basis der phasenparallelen Aktivweiche. Die Übernahmefrequenz liegt jeweils tief genug, dass sich nur eine Hauptabstrahlkeule bildet und somit die gewünschte Schallbündelung in der Vertikalen entsteht. Beispielsweise ist die Sonus Fidelis 2 mit zwei 17cm-Hexacone-Tiefmitteltönern und einer 25mm-Keramik-Hochtonkalotte bestückt, deren Resonanzfrequenz 730Hz beträgt. Die Übernahmefrequenz liegt nicht eine Oktave darüber, sondern getreu der Theorie nach D'Appolito bei 870Hz! Mit einer Linkwitz-Transformation im Hochtonzweig wird die akustische Hochpassfunktion 2. Ordnung des Hochtöners in Amplitude und Phase so verändert, dass sich in Kombination mit einem elektronischen Hochpass 2. Ordnung ein akustischer Linkwitz-Riley-Hochpass 4. Ordnung ergibt, dessen Amplitudenverlauf exakt spiegelbildlich und dessen Phasenverlauf identisch ist mit dem LR4-Tiefpass im Tieftonzweig. Die beiden Tiefmitteltöner sind mit einer zweiten Linkwitz-Transformation und zwei weiteren Hochpässen 2. Ordnung auf eine Butterworth-Hochpassfunktion 6. Ordnung mit einer unteren Grenzfrequenz von 30Hz (-3dB) abgestimmt. Der erste Teilfilter der Bu6-Funktion ist vor das Gesamtsystem geschaltet und der genaue Phasenverlauf der beiden anderen Teilfilter im Tieftonzweig wird im Hochtonzweig mit einem Allpassfilter 2. Ordnung nachgebildet. Der durch die vertikale Schallbündelung entstehende Frequenzganganstieg im Mitteltonbereich wird mit einem Shelving-Tiefpass linearisiert, der die Phasenparallelität nicht beeinträchtigt, und ein zusätzlicher Bessel-Allpass 2. Ordnung im Hochtonzweig verschiebt den Hochtöner auf das akustische Zentrum der Tiefmitteltöner. Es kann jetzt gehört werden, wie ein echter D'Appolito-Lautsprecher klingt.

Die High-End-Version Sonus Fidelis 2S hat ein Gehäuse aus Naturschiefer, dem anerkannt besten Material für Lautsprecherboxen, um das Mitschwingen der Gehäusewände auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Der von den Standlautsprechern vollkommen losgelöste Klang ist mit Worten nicht mehr zu beschreiben und noch am ehesten zu vergleichen mit dem eines großen Breitband-Elektrostaten, aber ohne dessen horizontale Richtwirkung.


Wer Zeit hat, kann sich die Sonus Fidelis 2, die Sonus Fidelis 4 und den Nahfeld-Monitor M-6 bei den Westdeutschen Hifi-Tagen (3. und 4. Oktober), Hotel Maritim Bonn, Zimmer 353 anhören. Bei Audio Optimum wird nicht mit esoterischem "High-End"-Gedudel, sondern mit echter Musik vorgeführt; es wird also garantiert nicht langweilig.

Beste Grüße
Stefan Wehmeier

__________________
http://www.audio-optimum.com/
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  #2  
Alt 14.09.2015, 14:01
Cobold Cobold ist offline
 
Registriert seit: 06.01.2009
Beiträge: 192
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Zitat:
Zitat von sincos Beitrag anzeigen
Wer Zeit hat, kann sich die Sonus Fidelis 2, die Sonus Fidelis 4 und den Nahfeld-Monitor M-6 bei den Westdeutschen Hifi-Tagen (3. und 4. Oktober), Hotel Maritim Bonn, Zimmer 353 anhören. Bei Audio Optimum wird nicht mit esoterischem "High-End"-Gedudel, sondern mit echter Musik vorgeführt; es wird also garantiert nicht langweilig.
Das ist doch mal ein Wort. Ich komme bestimmt vorbei.

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  #3  
Alt 14.09.2015, 19:09
shakti shakti ist offline
 
Registriert seit: 21.02.2010
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prima, in Bonn komme ich vorbei!
Gruss
Juergen
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  #4  
Alt 14.09.2015, 19:35
TheJoker TheJoker ist offline
 
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Danke für's Hörangebot, falls ich mich zum Gabg über die Brücke aufraffen kann ist das sicher ein Besuchszimmer,
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  #5  
Alt 14.09.2015, 20:35
boxworld boxworld ist offline
 
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ich möchte bitte einmal die Sprungsantwort der oben beschriebenen Box sehen

Gruss Marc
__________________
Windspiel-Audio
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  #6  
Alt 14.09.2015, 21:18
Efreak0314 Efreak0314 ist offline
 
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Standard geht das wieder los?

wie wäre es, wenn man einfach mal unvoreingenommen vorbei schaut und das mal anhört?
Die meisten Experten hier können doch ziemlich gut hören. Wenn der Sprungantwort schlecht wäre, dann kann man das doch raushören!

Sincos konzipiert seine Systeme überwiegend gleich (Linkwitz-Riley und Allpass-Matrix ect). Genau so wie Herr Weidlich überwiegend zeitrichtig und phasenlinear konzipiert. Wenn einem die Lautsprecher von Herrn Weidlich gefällt, dann kann man es fast auf die breite Palette übertragen. Ebenso bei sincos! Wenn es einem nicht gefällt, dann braucht man sich nicht mehr bemühen. Aber bitte unvoreingenommen rangehen...

Und die meisten Experten wissen doch auch schon vorher, wie der Sprungantwort ungefähr aussehen wird...Auch deshalb immer wieder diese Frage nach dem Sprungantwort...

Gruß
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  #7  
Alt 14.09.2015, 21:28
boxworld boxworld ist offline
 
Registriert seit: 23.06.2010
Beiträge: 4.750
Standard

Zitat:
Zitat von Efreak0314 Beitrag anzeigen
wie wäre es, wenn man einfach mal unvoreingenommen vorbei schaut und das mal anhört?
Die meisten Experten hier können doch ziemlich gut hören. Wenn der Sprungantwort schlecht wäre, dann kann man das doch raushören!

Sincos konzipiert seine Systeme überwiegend gleich (Linkwitz-Riley und Allpass-Matrix ect). Genau so wie Herr Weidlich überwiegend zeitrichtig und phasenlinear konzipiert. Wenn einem die Lautsprecher von Herrn Weidlich gefällt, dann kann man es fast auf die breite Palette übertragen. Ebenso bei sincos! Wenn es einem nicht gefällt, dann braucht man sich nicht mehr bemühen. Aber bitte unvoreingenommen rangehen...

Und die meisten Experten wissen doch auch schon vorher, wie der Sprungantwort ungefähr aussehen wird...Auch deshalb immer wieder diese Frage nach dem Sprungantwort...

Gruß
Ich habe bereits zwei Modelle gehört und die Sprungantwort wird die Frage beantworten ob die Weiche sich von einer normalen Durchschnittsweiche unterscheidet.
Die Möglichkeit unvoreingenommen zu hören (was bei mir aber schon erfolgt ist) wird wie immer durch die umfangreichen technischen Ausführungen vereitelt.
Es wird versucht ein Vorteil anderen Herstellern gegenüber zu suggerieren.
Und da möchte ich einfach sehen ob das Bestand hat, den einen geraden Frequenzgang bekommt JEDE! passive Weiche hin.
Ich hoffe da sehr auf Dein Verständniss

Gruss Marc
__________________
Windspiel-Audio
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  #8  
Alt 14.09.2015, 21:31
boxworld boxworld ist offline
 
Registriert seit: 23.06.2010
Beiträge: 4.750
Standard

anders ausgedrückt:

Interessant wäre eine vollständige Messreihe.
Impulsantwort, Sprungantwort, FG unter horizontalen und vertikalen Winkeln.

Dann(!) wäre es möglich einen gewissen Vorsprung zu erkennen oder eben nicht!
__________________
Windspiel-Audio
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  #9  
Alt 14.09.2015, 21:46
Efreak0314 Efreak0314 ist offline
 
Registriert seit: 07.01.2011
Beiträge: 79
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auf mein Verständniss musst du nicht hoffen, ich bin nur ein unbedeutender Leser hier...

Sagen wir es mal so. Sincos wird nicht aufhören Vorteile zu suggerieren und man kann ewig nach Messungen fragen. Die kommen höchstwahrscheinlich nie...

Es bedeutet aber nicht von vornherein, dass die Systeme für alle schlecht klingen muss. Vielleicht gefällt es dem einen oder anderen, aber wenn er das hier vorher liest, dann ist er voreingenommen.

Gruß
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  #10  
Alt 14.09.2015, 21:51
Wonneproppen Wonneproppen ist offline
Missetäter
 
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Zitat:
Zitat von Efreak0314 Beitrag anzeigen
Genau so wie Herr Weidlich überwiegend zeitrichtig und phasenlinear konzipiert.
Ausschließlich.

Zitat:
Zitat von Efreak0314 Beitrag anzeigen
Wenn einem die Lautsprecher von Herrn Weidlich gefällt, dann kann man es fast auf die breite Palette übertragen.
Nein, die Lautsprecher klingen schon unterschiedlich und sind auch sehr unterschiedlich zu kombinieren.
Ich hatte kürzlich z.B. erwähnt, dass die a priori 14.02 eine echte Diva ist und Sorgfalt braucht wegen der Keramik. Hingegen ist die Xamboo fast ein Allesfresser von fetten Transistoren bis hin zu Trioden.
Den Myro-Klang gibt es nicht, außer dass die mit den Chassis maximal mögliche Transparenz und Homogenität erreicht wird.
__________________
"Wer herausgeht, muß auch wieder hereinkommen."
Herbert Wehner
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