open-end-music-professional  

Zurück   open-end-music-professional > Audiotechnik und Hörkultur > Audiophile Kopfhörer > Kopfhörer - Testberichte & Rezensionen
Startseite Registrieren Hilfe Benutzerliste Kalender Alle Foren als gelesen markieren

Kopfhörer - Testberichte & Rezensionen Hier können Forenteilnehmer ihre Kopfhörer Hörerfahrungen einstellen

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 01.07.2017, 19:28
fidelio fidelio ist offline
 
Registriert seit: 18.10.2015
Beiträge: 493
Standard Test AUDEZE LCDi4

Hallo zusammen,

ich stehe gerade in einer großen Menge von Menschen unmittelbar in der ersten Reihe bei einem Livekonzert in Denver, Colorado. Der gute alte Keb Mo schmettert sein „The worst is yet to come“ von der Bühne hinab und ich kann es immer noch nicht fassen. Kopfhören ohne Kopfhörer.

Nun, zumindest fast. Denn der brandneue AUDEZE LCDi4, welchen ich euch heute in einem ersten exklusiven Test in Deutschland vorstellen möchte, ist nicht nur nahezu masselos. Nein, aufgrund des relativ lockeren Sitzes in meinen Gehörgängen nehme ich die beiden Knöpfe schon in kürzester Zeit gefühlsmäßig nicht mehr wahr. Einfach nur der helle Wahnsinn. Aber besser alles der Reihe nach. Zunächst einmal gilt mein Dank Carsten Hicking vom deutschen AUDEZE Vertrieb, welcher diese Rezension über die Bereitstellung eines der zurzeit seltenen Exemplare überhaupt erst möglich gemacht hat. (Seriennummer: i4000076!)

Vor einiger Zeit habe ich ja bereits die neuen iSINE10 und iSINE20 für euch rezensiert. (https://www.open-end-music.de/vb3/sh...ad.php?t=11474) Deshalb war ich verständlicherweise mehr als neugierig auf den neuen Überflieger der Kalifornier, welcher in den amerikanischen Foren bereits als „End Game Headphone“ bezeichnet und zwischenzeitlich seit Ende Juni auf Vorbestellung in den USA auch ausgeliefert wird. Na ja, solchen Aussagen stehe ich in der Regel immer eher kritisch gegenüber. Bis heute.

Bereits auf der HIGH END in München erhielt ich eine erste musikalische Kostprobe des magnetostatischen Zwerges. Leider ließ aber der messeübliche Geräuschpegel eine wirklich aussagekräftige Beurteilung des AUDEZE nicht zu. Allerdings fiel mir schon beim Erstkontakt die über den gesamten Frequenzbereich sehr ausgewogene Tonalität und ein äußerst konturierter Bass mit ordentlich Tiefgang positiv auf. Voraussetzung dafür ist freilich ein penibles Auswahlverfahren der zur Verfügung stehenden Eartipps. Dazu aber später natürlich mehr.

Den AUDEZE iSINE20 habe ich nach meinem Test bekanntlich käuflich selbst erworben. Somit stieg natürlich sukzessive die Spannung bezüglich der direkten Vergleichsmöglichkeit zum AUDEZE LCDi4. Dabei ging es mir gar nicht so sehr um die Frage, ob denn der neue Stern am In-Ear Himmel seinen kleineren Brüdern klanglich überlegen ist. Denn dies setze ich bei dem nicht ganz unerheblichen Aufpreis als eher selbstverständlich voraus. Vielmehr interessierte mich das tatsächliche Steigerungspotential. Und dies ist, soviel kann ich an dieser Stelle schon vorwegnehmen - gewaltig.

Interessanterweise wurde der LCDi4 bereits vor dem iSINE10 und iSINE20 konstruiert. Dies erklärt auch die zahlreichen optischen Gemeinsamkeiten. Bei den Kopfhörern der iSINE Serie handelt es sich also quasi um technisch abgespeckte Ableger des Originals. Aus Marketinggründen wurden die kleineren Versionen aber vorrangig lanciert, auch um so die Reaktionen in der Öffentlichkeit besser bewerten zu können.

AUDEZE LCDi4. Verpackung & Ausstattung.

Die Entgegennahme des kleinen, unscheinbaren Päckchens vom DHL Boten sorgt bei mir im ersten Augenblick erst einmal für ein langes Gesicht. Ist da überhaupt irgend etwas drin? Vielleicht handelt es sich ja doch um das XLR-Kabel, das ich ebenfalls noch erwarte. Aber nein, die Absenderadresse identifiziert den Inhalt ganz klar als den neuen LCDi4 von AUDEZE. Nun gut, werfe ich einfach alle Vorbehalte ob des lächerlich geringen Gewichtes über Bord und begebe mich an das Auspacken.

Der LCDi4 wird in einer in schwarzem Kunstleder eingefassten festen Kunststoffverpackung mit transparentem Deckel und magnetischem Verschluss ausgeliefert. Die kleinen Ohrhörer sind in passgenauem Schaumstoff geschützt eingebettet, das mitgelieferte Zubehör findet in einer kleinen Echtledertasche Platz und ist auch mehr als reichhaltig bemessen.

Beigepackt sind 3 x 2 unterschiedlich große Silikonpassstücke für die Gehörgänge in 2 verschiedenen Ausführungen, also insgesamt 6 x 2 Versionen. Dazu gesellen sich jeweils 2 x 2 Ohrbügel aus glänzendem schwarzen und transparenten Kunststoff. Wahlweise können auch in den Ohrmuscheln liegende Earlocks eingesetzt werden, wenn einem die über den Ohren geführte Lösung nicht zusagt. Neu im Gegensatz zu den iSINE Modellen ist ein zusätzliches mattschwarzes Ohrbügelpaar in etwas längerer Ausführung, welches zudem eine leichte Gummierung aufweist und sich für meine Lauscher als genau passend herausstellt. Prima.

Im weiteren Lieferumfang befindet sich ein hochwertiges, versilbertes OCC-Kupferkabel in 1,2 m Länge, versehen mit strukturverstärkenden Kevlar-Fäden und einem vergoldeten 3,5 mm Klinkenstecker. Eine symmetrische Anschlussvariante ist laut Aussage des Herstellers aber bereits schon in Planung.

Aha. Und wieso haben die geizigen Amis nicht zumindest noch eine längere Kabelversion in beispielsweise 3 m Länge und 6,3 mm Klinke beigepackt? Dies wäre bei diesem Preis ja wohl noch drin gewesen, oder? Zumal das kleine Juwel seinen Einsatzzweck höchstwahrscheinlich nicht ausschließlich in der mobilen Nutzung finden wird. Denn insbesondere an heimischen Komponenten entfaltet der LCDi4 erst sein volles Potential. Schade und auch etwas ärgerlich.

Die CIPHER-Kabelvariante wurde ebenso ersatzlos gestrichen. Auf eine diesbezügliche Nachfrage, bereits auf der HIGH END in München, wurde mir seitens des Herstellers versichert, dass dies allein der ungenügenden Anntriebsleistung des winzigen Kabelverstärkers geschuldet sei. Ich käme aber wahrscheinlich eh nie auf die dumme Idee, eine 3.000,- teure Pretiose an meinem iPHONE zu betreiben... Komplettiert wir die Ausstattung durch einen USB-Stick, welcher im Übrigen auch die Bedienungsanleitung beinhaltet. Ein Ansteckclip zur Fixierung des Kabels unterwegs fehlt genauso wenig wie eine kleine Reinigungsbürste für den Kopfhörer.

AUDEZE LCDi4. Verarbeitung & Tragekomfort.

Der von BMW-Designworks entworfene und in Kalifornien von Audeze produzierte Bonsai Magnetostat ist makellos und professionell verarbeitet. Trotz der für In-Ear Kopfhörer ausladenden Maße ist der LCDi4 extrem leicht geraten. Lediglich 12 g bringen beide Stöpsel einzeln auf die Waage. Damit ist der große Bruder sogar etwas leichter als seine kleineren Geschwister.

Denn im Gegensatz zum iSINE 10 und iSINE20 bestehen die oberen Teile der Gehäuse beim LCDi4, welche auch die Treiber umgeben, aus schwarz lackiertem Magnesium. Nur die unteren Formstücke, welche final in die Hörtrichter münden, sind in gleichfarbigem Kunststoff ausgeführt. Die aufgesteckten Silikon-Tipps lassen sich sehr leicht wechseln, die oben genannten Ohrbügel und Earlocks rasten zudem jederzeit passgenau auf der Innenseite der KH ein. Durch die horizontalen Grills des In-Ear Kopfhörers werden goldfarbene Kupfergeflechte zum Schutz der Magnete und Folienmembranen sichtbar und weisen somit die typischen Attribute der LCD-Serie von AUDEZE auf. Sehr schön.

Aber trotz aller Bemühungen seitens des Herstellers gelingt es den Amerikanern nicht in letzter Konsequenz, das Gefühl von hoher Wertigkeit zu erzeugen, insbesondere nicht bezogen auf die Haptik. Ein derart leichter und eher unscheinbarer Winzling entspricht vielleicht auch nicht ganz den Vorstellungen der europäischen Kundschaft bezüglich eines derart ambitioniert bepreisten Kopfhörers.

Der europäische Marketingleiter von AUDEZE erklärte mir dementsprechend bereits am HIGH END Messestand im Mai, dass es daher auch nicht unbedingt leicht werden wird, den hiesigen Markt für den neuen Knirps zu begeistern. Kein edles Holzfurnier, keine gebürsteten Aluminiumflächen, keine sichtbaren Insignien der Macht. Und eben auch kein Gewicht. Man hat halt irgendwie nichts in der Hand. Demzufolge werden die zukünftigen Stückzahlen des LCDi4 in Europa höchstwahrscheinlich sehr überschaubar bleiben, allein schon aufgrund der eher problematischen Vermarktungs- und Preissituation.

Die Kalifornier kontern dagegen mit dem Verweis auf das unbeschwerte neue Tragegefühl in Kombination mit dem alles überragenden Klang eines großen OverEar Kopfhörers.

Der Tragekomfort ist tatsächlich ähnlich hervorragend wie bei den bekannten iSINE Modellen. Zum einen können die Silikon Tipps in der jeweilig richtigen Größe einfach und relativ locker in die Gehörgänge eingesetzt werden. Zum anderen besitzen die neuen silikonbeschichteten Ohrbügel nun endlich das immer passende Längenmaß und der kleine Magnetostat wird so ohne störendes Druckgefühl in den Gehörgängen exakt vertikal und somit bassfreundlich vor meinen Ohren positioniert. Sehr gut. So muss dies meiner Meinung nach sein, denn wie einige von euch wissen, bin ich eigentlich kein großer Freund von Stöpsellösungen...

Und ein perfekter Sitz des AUDEZE Kopfhörers in den Hörkanälen ist meines Erachtens eine grundlegende Voraussetzung für das vollständige Ausloten der klanglichen Fähigkeiten des LCDi4. Schon geringfügige Modifikationen bei der Größe der Tipps, welche beispielsweise zu einer unterschiedlichen Einstecktiefe führen, oder eine Bügel-spezifische Änderung bezüglich der Positionierung der Segel machen sich unmittelbar bemerkbar. Es lohnt sich also in jedem Fall, diesbezüglich im Vorfeld ausgiebig mit dem Zubehör zu experimentieren.

AUDEZE LCDi4. Die Technik.

Das Ziel der amerikanischen Kopfhörermanufaktur war schon während der Konstruktionsphase des LCDi4 klar gesetzt. Den besten InEar der Welt zu bauen. Und zwar ohne die üblichen, systembedingten Kompromisse konventioneller InEar Modelle einzugehen. Insbesondere die Einschränkung bezüglich Bühnendarstellung und räumlicher Abbildungstiefe bei den herkömmlichen Ohrstöpseln war den Machern von AUDEZE ein gehöriges Dorn im Auge. Aus diesem Grunde kam auch nur ein konstruktiv revolutionär neues und offenes System in Frage. Ob den Ingenieuren damit ein Durchbruch im Kopfhörerbereich gelungen ist, wird der anschließende Hörtest noch zeigen.

Bei der Entwicklung des LCDi4 wurden nahezu alle bewährten und patentierten Lösungen der größeren OverEar-Modelle in den kleinen Gehäusen auf allerengstem Raum zusammengeschrumpft. Hauchdünne, 30 mm große Uniforce-Diaphragmen übertragen über Fazor Waveguides durch einseitig angeordnete Fluxor Magnete die musikalischen Informationen in trichterförmige Kanäle, welche final in den Gehörgängen münden. In diesen Trichtern sind außerdem Phase-Plug ähnliche Stifte für Phasenkorrekturen implementiert.

Überhaupt ist der kleine Kopfhörer bei genauer Betrachtung ein wahres Wunderwerk der Audiotechnik. Das verwendete Membranmaterial beispielsweise, weist eine Dicke von lediglich 0,0005 mm und somit nur 1 Zehntel (!) der Stärke der Membranen der iSINE-Serie auf. AUDEZE benötigt allein für die Produktion der Folien, welche im Übrigen identisch mit denen des LCD4 sind, immerhin 1-2 Wochen in speziell dafür vorgesehehen Vakuumkammern. Alle LCDi4 Modelle werden außerdem in reiner Handarbeit hergestellt und zudem mit einer maximalen Abweichung von nur +/-1 db paarweise selektiert.

Aber auch anderweitig sind zum Teil signifikante Unterschiede zu den kleineren iSINE10 und iSINE20 erkennbar. Die Neodymium Magnete besitzen eine wesentlich höhere Flussdichte für einen präziseren Antrieb, durch die steiferen Magnesiumbehausungen werden Resonanzen zudem effektiver bedämpft. Die Impedanz des AUDEZE liegt bei 35 Ohm, die maximale Belastbarkeit wird mit erstaunlichen 3 Watt/Kanal angegeben. Die THD (Total Harmonic Distortion) beträgt laut Aussage der Kalifornier weniger als 0,2 Prozent über das gesamte Frequenzspektrum, selbst bei hohen Lautstärken. Der Hersteller verspricht außerdem einen linearen Frequenzgang im Bassbereich von 900 - 5 Hz. In einschlägigen amerikanischen Foren wurde tatsächlich bereits eine Grenzfrequenz von 7 Hz gemessen. Beeindruckend.

Durch die offene Struktur der Konstruktion gelangen Außengeräusche nur leicht gedämpft an das Innenohr. Umgekehrt isoliert der Zwerg aber auch nur bedingt die musikalische Wiedergabe in Gegenrichtung. Dieses Leakage bleibt allerdings überschaubar. Also mit kleinen Einschränkungen durchaus auch tauglich für ausgiebige, nächtliche Hörsessions im heimischen Schlafzimmer. Meine (tolerante) Frau hat jedenfalls zu keiner Zeit ein Wort darüber verloren...

AUDEZE LCDi4. Die Vorbereitung.

Meine Vorfreude steigt. Der nagelneue LCDi4 wird direkt nach dem Auspacken aber zunächst einmal 40 Stunden penibel eingespielt. Wir wollen ja nichts dem Zufall überlassen, gell? Im Anschluss verbringe ich 30 Minuten mit der optimalen Auswahl von Bügeln, Earlocks und Tipps. Schon ein wenig lästig. Aber glücklicherweise nur notwendig zur erstmaligen Anpassung der Zwerge an meine Kopfsituation. Als primärer Spielpartner für den ersten Hörcheck dient mir übrigens mein QUESTYLE QP1R. Und ja, das hört sich schon durchaus vielversprechend an.

Im weiteren Verlauf werde ich den AUDEZE LCDi4 insbesondere auch zusammen mit dem nagelneuen KANN testen, welchen mir Thomas Halbgewachs vom deutschen ASTELL&KERN Vertrieb freundlicherweise noch rechtzeitig für diesen Test zur Verfügung stellen konnte. Ganz herzlichen Dank dafür. Eine eigene Rezension zum neuesten A&K folgt selbstverständlich in Kürze. Versprochen.

Der LCDi4 erhält zudem noch einige Spielzeit an meinem PATHOS INPOL EAR, um die Grenzen des Winzlings noch genauer ausloten zu können. Die stationäre Zuspielung übernimmt in diesem Fall der mit SSD-Festplatte bestückte AURALIC ARIES MINI, welcher seinen Strom über das Low-Noise Netzteil desselben Herstellers bezieht. Als Musikmaterial für den nachfolgenden Hörtest dienen mir die üblichen Verdächtigen aus Pop, Rock, Klassik und Jazz, gespeichert im FLAC-, AIFF- und DSD-Format.

AUDEZE LCDi4. Der Klangtest.

Die Menge tobt. Keb Mo spielt soeben seinen Hit „Come on back“ beim Livekonzert in Nashville, Tennessee. Und ich bin natürlich wieder unmittelbar dabei. Oh Mann, dies ist wieder eine dieser Rezensionen, bei der ich am liebsten direkt mit der Tür ins Haus fallen würde.

Also gut, warum denn auch nicht. Dies ist nicht nur der erstaunlichste InEar den ich jemals gehört habe, er zählt sicherlich auch zu den besten Kopfhörern der Welt. Ein klanglicher Riese im Miniformat, welcher bezüglich seiner musikalischen Fähigkeiten nur schwerlich zu überbieten sein dürfte. So, das wäre also erledigt.

Dass ein renommierter Hersteller wie AUDEZE angesichts der bereits angesprochenen Diskrepanz von Größe, haptischer und optischer Anmutung und klanglicher Überfliegermentalität überhaupt diesen Schritt in den Kopfhörermarkt wagt, ist durchaus bewundernswert. Und ein nicht unerhebliches Risiko.

Denn todsicher wird der unscheinbare Zwergenhörer vom nächstbesten und betuchten Halbinformierten, welcher in der Regel nie weiter als einen Mausklick entfernt ist, bei nächstbester Gelegenheit mit diversen Smartphones, schmalbrüstigen mobilen Verstärkerchen und LOW FI-Playern verbandelt. Und prompt landen wieder die üblichen Kommentare in den Foren: „Was, dieser Knirps kostet wieviel?“ oder „Der klingt für seinen Preis aber bescheiden. Da klingt ja mein XY für 500,- Euro ja besser!“ Und so weiter.

Dies macht vor allem eines ganz deutlich – sehr gute und insbesondere leistungsstarke KHV sind erste Pflicht! Anderenfalls würde man sprichwörtlich Perlen vor die Säue werfen. An adäquaten Verstärkern jedoch dreht der LCDi4 so richtig auf und skaliert auch jederzeit nachvollziehbar mit ansteigender Qualität des jeweiligen Spielpartners.

Bereits amQP1R blitzt diese in der Kopfhörerwelt wohl einmalige Klangsignatur erstmalig auf und erfährt im KANN eine nochmalige Steigerung. Zumal dessen Leistungsreserven im Gegensatz zum QUESTYLE auch jederzeit ausreichend bemessen sind. Und ich in Ermangelung einer symmetrischen Verbindung noch nicht einmal das ganze Leistungsspektrum des A&K abrufen kann. Vielleicht ja zu einem späteren Zeitpunktbei dem noch ausstehenden Testbericht zum neuen DAP. Thomas hat jedenfalls schon fest zugesagt, mir ein entsprechendes Kabel zeitnah zukommen zu lassen.

Erst ein stationärer Spielpartner vom Schlage eines INPOL EAR zeigt allerdings im Verbund mit dem AUDEZE LCDi4, was der Kleine dann tatsächlich alles drauf hat. Es wirkt dabei schon fast surreal, wenn David und Goliath gemeinsam musizieren. Da solch eine elitäre Kombination in freier Wildbahn aber eher selten anzutreffen sein wird, bleibt der LCDi4 im weiteren Verlauf meiner Rezension dann doch besser mit dem A&K KANN verheiratet. Ist letzten Endes doch etwas praxisgerechter.

Die holographische Abbildung des AUDEZE vermittelt einen untypisch offenen Raumeindruck, ähnlich wie bei sehr guten OverEar-Kopfhörern, aber ohne deren oftmals vernehmbaren, leichten Gehäuseresonanzen in den Ohrmuscheln. Denn in direkter Gegenüberstellung, beispielsweise zu meinem AKG 812 PRO, fällt mir die gefühlsmäßige Abwesenheit einer räumlichen Begrenzung beim LCDi4 auf. Um dies jetzt richtig zu interpretieren. Selbstverständlich projiziert auch der AKG musikalische Ereignisse dreidimensional und präzise gestaffelt in den imaginären Raum. Nur werden diese eben nicht in gleichem Maße „freigestellt“ und dennoch exakt fokussiert und insbesondere derart plastisch wiedergegeben.

In diesem Punkt übertrifft der LCDi4 bei weitem auch seinen kleineren Bruder, den iSINE20. Mein RHA CL750 spielt, typisch für Kopfhörer dieser Bauart, in eher eng definierten Raumgrenzen, mehr oder weniger im Kopf und hinterlässt vergleichsweise einen eher klaustrophobischen Höreindruck. Somit ist er de facto für mich relativ schnell aus dem Rennen.

Würdige Gegner finden sich doch wohl eher bei den „Großen“. Genau genommen passen offene OverEar’s auch wesentlich besser in das Beuteschema des AUDEZE. Kein Witz. Kopfhörer wie beispielsweise meinen HD800S verspeist der Kleine zum Frühstück. Na ja, zumindest ist der SENNHEISER schwer verdaulich...

Das Klangbild des AUDEZE LCDi4 wirkt dazu ausgesprochen natürlich und ausgewogen ohne erkennbare tonale Schwächen. Dies ist schon deshalb erwähnenswert, weil die KH der iSINE Serie, wohl auch durch die Trichterform konstruktionsbedingt, den oberen Mitteltonbereich /unteren Hochton leicht präferieren. Der Frequenzgang wurde beim LCDi4 in diesem Bereich aber abstimmungstechnisch von seinen Entwicklern gekonnt begradigt. Die beiden Enden des Frequenzspektrums werden zudem wesentlich akkurater durchgezeichnet im Vergleich zu meinem iSINE20 und beinahe ohne Pegelverlust reproduziert. Das massive Upgrade zum LCDi4 ist meines Erachtens nahezu vergleichbar mit einem Wechsel vom LCD2 zum LCD4. Apropos LCD4...

LCDi4 gegen LCD4. Diese Frage drängt sich ja jetzt förmlich auf. Ist der Bonsai Magnetostat wirklich auf dem klanglichen Niveau des großen Bruders? Oder gar darüber anzusiedeln? Nun, es ist etwas schwierig, die beiden Kopfhörer direkt miteinander zu vergleichen, zumal sie sich auch tonal voneinander unterscheiden. Während der LCD4 ein eher dunkles Timbre bevorzugt, ist der LCDi4 heller abgestimmt.

Außerdem setzt die Physik hier selbstverständlich Grenzen. Die mehr als 3,5 x so großen Flächenmembranen des Top-Kopfhörers der Amerikaner ermöglichen schlicht und ergreifend einen noch prägnanteren Tiefbassbereich. Auch die Bühnenabbildung erscheint beim LCD4 noch etwas weitläufiger. Ebenfalls eine Folge der physikalischen Gegebenheiten, da das Außenohr im Gegensatz zum LCDi4 ja mit eingebunden werden kann. Denn durch stärkere Reflexionen gelangen auch folglich mehr Hallanteile in die Hörkanäle.

Bezüglich Transparenz, Klarheit und Auflösungsvermögen ergibt sich annährend eine Patt-Situation zwischen den beiden AUDEZE Kopfhörern, mit allerdings minimalen Vorteilen für den LCDi4. Nach Aussagen einiger amerikanischer Forenteilnehmer, welche den neuen InEar bereits ihr Eigen nennen, liegt die Ausarbeitung feinster Klangstrukturen in etwa auf dem Niveau eines KSE1500 von SHURE. Ich werde dies zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht noch genauer verifizieren...

Der LCDi4 übertrifft den großen Bruder zudem in Sachen Geschwindigkeit. Ich habe selten einen Kopfhörer mit einem derart exzellenten Timing vernommen. Der AUDEZE befindet sich in diesem Punkt klar auf Augenhöhe mit den besten Elektrostaten. Nachfolgend die einzelnen Frequenzbereiche im Überblick:

BASS:

Der Bassbereich ist für einen InEar Kopfhörer schlichtweg sensationell. Und scheut selbst keinen Vergleich mit einem offenen Bügelkopfhörer der Spitzenklasse. Er erreicht quantitativ ungefähr das Volumen eines AKG 812 PRO, bei etwas höherer Qualität. Der Tiefbass reicht bei entsprechender Leistungszufuhr tief hinab und bleibt dabei jederzeit konturiert und unverzerrt. Der Midbass ist druckvoll und knurrig, der Oberbass impulstreu und schnell. Der Bass des LCDi4 macht der LCD-Serie der Kalifornier auf jeden Fall alle Ehre.

GRUNDTON:

Der Grundton besitzt jederzeit ausreichend Wärme und ist dabei vorzüglich austariert. Stimmen erhalten exakt das richtige Maß an Korpus und Schmelz. Vollkommen bruchloser Übergang zum oberen Bassbereich. Somit neutrale und natürlich wirkende Abstimmung. Klasse.

MITTELTON:

Der Mitteltonbereich des AUDEZE bedarf keiner weiteren Diskussion. Wunderbare Klangfarben verbinden sich verfärbungsfrei mit einer fantastischen Stimmenwiedergabe bei außergewöhnlich hoher Authentizität. Fein analytisch und dennoch samtig zart. Keinerlei Härten im Klangbild und ohne erkennbare Absenkung der Mitten. Perfekt.

HOCHTON:

Fantastisches Auflösungsvermögen bis in allerfeinste Verästelungen, dabei aber niemals überanalytisch. Sehr realistisches Obertonspektrum bei der Reproduktion von Stimmen und Instrumenten. Insgesamt eine unglaublich transparente und emotional musikalische Wiedergabe mit hoher Langzeittauglichkeit. Einfach toll.

DYNAMIK:

Nun, ich kann mich nur wiederholen. In der geeigneten Kombination wartet dieser Zwerg mit einer umwerfenden Performance auf: ansatzlos, temporeich und impulsiv, dazu mit feinfühliger Abstufung auch bei kleinsten Veränderungen der Lautstärke. Keinerlei Kompressionseffekt auch bei hoher Leistungszufuhr. Sehr hohe Belastbarkeit, insbesondere für diese Bauform. Gut, natürlich nicht für dich, Gregor...

MEIN FAZIT:

Diesen Kopfhörer muss man einfach gehört haben, um es tatsächlich zu glauben. Ein Zwerg, der klanglich zum Riesen mutiert. Im Teamwork mit dem entsprechenden Spielpartner spricht das musikalische Ergebnis für sich. Denn die klangfarbenstarke und präzise, aber dennoch jederzeit samtene und völlig stressfrei präsente Darstellung ist mindestens ebenso referenzverdächtig, wie die transparente Räumlichkeit und der fein modulierte aber gleichzeitig druckvoll knurrige Bass, zu dem dieser LCDi4 fähig ist.

Ob der AUDEZE LCDi4 den geforderten Preis von 2995,- € wirklich Wert ist, muss letztendlich natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Wer sich partout nicht mit dieser Bauform anfreunden kann oder auch lieber eher einer exzessiven Materialschlacht frönt, wird mit einer sehr guten OverEar Kopfbedeckung sicherlich glücklicher werden.

Wer aber auf der Suche nach einem Kopfhörer ist, welcher nahezu massefrei am Ohr in der Lage ist, ein hochmusikalisches Inferno vor dem geistigen Auge zu entfesseln und über die leichten Imageschwächen bezüglich Größe und Haptik hinwegsehen kann, dem sei dringend eine ausgiebige Hörprobe an einem adäquaten Spielpartner empfohlen.

Für mich ist der AUDEZE LCDi4 jedenfalls eines der absoluten Highlight in diesem Jahr. Eine innovative Meisterleistung. Ein wahrhaftiger Game Changer. Vergleichbar mit einem (leider) sehr teuren, aber eben auch einzigartigen Wein. Und die genussvolle Verkostung desselben ist für mich immer jeden einzelnen Cent Wert.

Ich hoffe, ich konnte euch wieder einmal gut unterhalten.

Schönes Wochenende
Wolfgang
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	AUDEZE LCD i4.jpg
Hits:	126
Größe:	131,8 KB
ID:	15635  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	AUDEZE LCD i4 mit Transporttasche.jpg
Hits:	126
Größe:	122,8 KB
ID:	15636  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	AUDEZE LCD i4 Detailbild.jpg
Hits:	98
Größe:	178,5 KB
ID:	15637  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	AUDEZE LCD i4 mit A&K KANN.jpg
Hits:	168
Größe:	87,2 KB
ID:	15638  
__________________
Wer leiser hört, kann länger genießen.

Geändert von fidelio (01.07.2017 um 20:17 Uhr).
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 01.07.2017, 22:49
La Suede La Suede ist offline
 
Registriert seit: 01.03.2014
Beiträge: 127
Standard

Vielen Dank für den phantastischen Test, Wolfgang. Du führst einen ja echt in Versuchung. Vor allem am Chord Dave, aber auch schon an einem Hugo 2 soll der Kleine ja "End-game" Qualitäten haben.
Aber dann gibt es ja leider noch die bekannten Qualitäts-Probleme bei Audeze. Bei Head-fi klagen erstaunlich viele Leute, dass ihr LCDi4 DOA (dead on arrival) ankam. Warten wir mal, ob und wann Audeze das in den Griff bekommt. Dann wird irgendwann auch mal ein Probehören anstehen.
__________________
Plixir BAC 400 Netzfilter, Synology NAS (mit HDplex LPS), Tidal > optimierter Audio-Computer (MCRU-Netzteil) mit Roon, AO, Process Lasso > Aqvox switch (an LPS-1)> MicroRendu 1.4 (an MCRU Netzteil) > USPCB > tx-USBUltra (an LPS-1) > Chord Dave
> Audeze LCD i4 mit Lavrycables, Focal Utopia und HE-1000 (mit Foam mod und Grill mod) mit Wywires Platinum-Kabeln, HD800 (SD mod) mit Effect Audio Eros Kabel, Omega Speakers System Compact Alnico Monitors

portable: Questyle QP1R, Audeze LCD i4
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 02.07.2017, 09:20
LOSAMOL LOSAMOL ist offline
 
Registriert seit: 28.01.2016
Beiträge: 200
Standard

Danke Wolfgang wie immer für Deine Bemühungen, Nomax der OBERGURU, was hat er uns alle hier unterhalten mit seinem ORIOLUS spleen, 1400€ hier für fand ich persönlich schon als abgehoben für einen inear, aber jetzt 3000€ von audeze...und dieser sogar noch offen, d.h. der Vorteil von inears, nämlich die Umwelt um mich herum abzublocken, z.b. in der U Bahn sind jetzt dahin....und im Wartezimmer nerve ich die anwesenden Personen ebenfalls mit dem gequake aus den inear... den Sinn von offenen inear erschließt sich mir daher nicht.

LG. Christoph

Geändert von LOSAMOL (02.07.2017 um 09:23 Uhr).
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 02.07.2017, 10:04
fidelio fidelio ist offline
 
Registriert seit: 18.10.2015
Beiträge: 493
Standard

Guten Morgen Christoph,

...und genau das ist das Problem. Der LCDi4 eignet sich selbstverständlich nicht für den Einsatz im Großstadtdschungel. Wenn man den AUDEZE tatsächlich mobil einsetzen möchte, dann eher für Reisen, beispielsweise abends im Hotelzimmer oder für Spaziergänge in ruhigen Umgebungen wie z.B. im Wald oder in den Bergen.

Ich habe den LCDi4 oft abends im Bett gehört, weil ich es immer als sehr lästig empfinde, liegend auf einem Kissen mit einem OverEar KH Musik zu hören. Denn zum einen werden die Ohrmuscheln dabei immer etwas nach vorne gedrückt, zum anderen beeinflußt der Kontakt mit einem weichen Kissen oft die Tonalität des KH, insbesondere bei offenen Modellen. Flächenstrahler sind hier besonders empfindlich.

Und genau hier liegt der Vorteil des kleinen AUDEZE. Denn er klingt erstens besser als die allermeisten OverEar's und zweitens ermöglicht er bei identischer Klangsignatur einen völlig neuen Tragekomfort. Es ist schon fast surreal aber eben faszinierend, wenn man die Musik rund um sich herum genießen kann wie bei einem OverEar Kopfhörer, aber ohne dessen Gewicht.

Es erweckt zudem den Anschein, als ob sich die Akteure tatsächlich im selben Raum befinden wie der Zuhörer und völlig frei spielen. Erinnert vielleicht ein wenig an Kunstkopfaufnahmen. Der LCDi4 ist somit eine völlig neue Erfahrung für mich und derzeit auch mit keinem anderen KH vergleichbar.

Bezüglich des Preises hast du selbstverständlich Recht. Der AUDEZE ist leider sehr teuer. Das sind ein FOCAL UTOPIA und ein HIFIMAN HE1000 aber auch. Und genau in dieser Liga musiziert der Kleine ebenfalls...

Lieben Gruß
Wolfgang
__________________
Wer leiser hört, kann länger genießen.
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 02.07.2017, 10:28
Dynavit Dynavit ist offline
 
Registriert seit: 14.01.2014
Beiträge: 2.013
Standard

Danke für den Bericht!
Liest sich wirklich sehr interessant und innovativ. Der Reiz so gar nichts mehr am Kopf zu spüren bzw. mit Kopfkissen zu hören ist schon sehr groß. Auch bei den momentanen Temperaturen hat das seine Vorteile. Schade , dass kein längeres Kabel dabei ist. Ein so leichtes, haptisch passendes 3m Verbindungsstück zu bekommen, wird nicht leicht sein.
Abgesehen vom Preis halte ich aber im Moment von HIFIMAN und AUDEZE die Finger fern. Ein Jahr gebe ich denen auf ihre Produkte, bis sie die Kinderkrankheiten beseitigt haben. Speziell bei einer so dünnen Folie, die sicher extrem schwer zu verarbeiten ist.
__________________
HP, Roon, HQPlayer, JPlay, Tidal, Fidelizer, SOTM to- USBUltra, audioquest Diamond, Ayre QB9 DSD, Stereovox, Paltauf Stax-Verstärker, Malvalve Headamp mk4, Stax SRD-X pro, Chord Mojo, ifi iCAN SE, Stax 009, 007 mk1, SR404, Lambda Pro, Lambda Signature, Nova Signature, SR 003mkII, Audeze XC, Sennheiser HE60, Sennheiser HD 800 DuPont mod.,HD 540, HD 580, Oriolus 2nd. , AKG K1000, AKG 812, Nordost, Synergistic Research Basen, Harmonix, Shun Mook; PS Audio P500, Isotek Aquarius
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 02.07.2017, 12:22
Nomax Nomax ist offline
 
Registriert seit: 28.10.2013
Beiträge: 6.807
Standard

....betreffend der EAR TIPS.... vielleicht ist ja Fidelio so nett uns den Stutzen und die Öffnungen zu fotografieren.....und beantwortet mir eine Frage....welche Ear Tips dazu

Dieser IN EAR hat klanglich sehr gute Ansätze....jedoch selbst für mich ist das zu wenig für den ausgerufenen Preis...da Materialmix,Verarbeitung,Kabel etc dies dem Preis bei weitem nicht gerecht wird

NOMAX

PS..........selbst die Herschafften von Shure haben sich nicht lumpen lassen und bei ihrem KSE1500 an das gesdacht....der Seal ist das WICHTIGSTE bei einem IN EAR...jedoch wenn dem Endverbraucher NICHT die Möglichkeit gegeben wird diesen zu erreichen mit den Doty's oder Spiny's..........nun ja
__________________
GREATEST HEADPHONE GURU FROM EUROPE and INITIATOR OF MYSPHERE 3.1

Geändert von Nomax (02.07.2017 um 12:34 Uhr).
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 02.07.2017, 14:19
fidelio fidelio ist offline
 
Registriert seit: 18.10.2015
Beiträge: 493
Standard

Hallo zusammen,

anbei ein paar Fotos von einem (mittleren) AUDEZE-Tip auf den Hörer gesteckt. Und außerdem ein direkter Vergleich mit einem Standard-Tip auf der rechten Seite (ich glaube von Sony) Wie man sehen kann, ist die Öffnung beim AUDEZE etwas größer. Der Standard-Tip wird also nicht passen.

Ist aber auch nicht notwendig, denn die Kalifornier bieten in jeder Größe (S,M,L) 2 leicht unterschiedliche feine Abstufungen an. Einmal ohne und einmal mit einer leichten Riffelung. Bei mir passten die normalen (ungeriffelten) mittleren Tips jedenfalls perfekt.

Und wenn die Tips grundsätzlich gut passen, brauchen sie im Gegensatz zu allen anderen mir bekannten InEar's nur relativ locker in die Gehörgänge eingesetzt werden. Der Verlust an Bassquantität ist, wenn überhaupt, minimal. Dies ist für mich sehr relevant, denn gerade der enge und drückende Sitz von Ohrpassstücken stören mich neben dem klaustrophobischen Gefühl bei InEar-Kopfhörern am meisten.

Der KSE1500 von SHURE ist klanglich sicherlich auf gleichem Niveau wie der LCDi4, aber leider spielt er InEar-typisch eher im Kopf und besitzt eben nicht die von mir beschriebene räumliche Abbildung des AUDEZE.

Mir persönlich ist dieser Vorteil, sowie die Möglichkeit, den LCDi4 auch mit unterschiedlichen Verstärkern zu kombinieren, wichtiger als der Materialmix...

Lieben Gruß
Wolfgang
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	IMG_2495.jpg
Hits:	68
Größe:	86,8 KB
ID:	15646  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	IMG_2498.jpg
Hits:	59
Größe:	78,4 KB
ID:	15647  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	IMG_2499.jpg
Hits:	67
Größe:	83,7 KB
ID:	15648  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	IMG_2502.jpg
Hits:	66
Größe:	129,4 KB
ID:	15649  
__________________
Wer leiser hört, kann länger genießen.

Geändert von fidelio (02.07.2017 um 14:34 Uhr).
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 09.07.2017, 21:47
fidelio fidelio ist offline
 
Registriert seit: 18.10.2015
Beiträge: 493
Standard

Hallo zusammen,

Leute, was für ein wunderbarer Sonntag. Erst eine kleine Motorradtour rund um den Ruhrsee und im Anschluss eine erholsame Hörsession auf der heimischen Terrasse mit dem A&K KANN und dem AUDEZE LCDi4. Symmetrisch verbunden über ein NOBUNAGA LABS MEDUSA Kabel, welches mir Thomas freundlicherweise noch hinterher geschickt hat. Hmm, ich muss nächste Woche unbedingt ein Review zum neuen KANN schreiben. Was für ein hochmusikalischer Zeitgenosse...

Die kleinen AUDEZE Zwerge werden von Tag zu Tag immer besser. Benötigen scheinbar doch eine längere Einspielzeit. Welch ein Vergnügen, bei den derzeitigen Temperaturen ohne die üblichen OverEar Ohrenwärmer auf wirklich allerhöchstem Niveau Musik genießen zu können. Ich blicke von meinem Liegestuhl aus in den blauen Himmel, lausche den fein ziselierten Klängen rund um mich herum und kann es fast nicht glauben, was für ein Geniestreich AUDEZE mit dem LCDi4 gelungen ist. Nämlich das Spiel tatsächlich zu verändern.

Besitzer des LCDi4 in den USA vertreten bezüglich der Diskrepanz von Größe, Haptik und Klang übrigens ganz ähnliche Meinungen wie ich in meinem Review:

„ ...a part of your brain doesn’t want to accept the fact that a tiny, sort of cheap looking device with plastic hooks could possibly produce such a high quality sound. They don’t look like they should be able to pump out quality audio with incredible bass, immaculate treble ans such realistic voices that Diana Krell is singing just to you...“

Edwardsean, ein HEADFI Urgestein, bringt es in seinem (genialen!) Review zum LCDi4 meines Erachtens genau auf den Punkt:

„If the iSine20s were proof of concept, the LCD i4s are the concept realized. I think the iSines sound ludicrously good for the price, but the i4 does make them sound like a prototype. Are they worth four times the price? Yeah. That's about right. They are four times as good. How do I arrive at that totally arbitrary assessment? I suppose you could assign one multiplier per fundamental sound quality criteria: 1 for improved spectral balance and extension, 1 for improved soundstage and imaging, 1 for improved clarity and transparency, 1 for improved dynamic handling. That's all true, but in the end, they are worth 4 times the price to me. I feel that's fair. In the world of audio high end that's a rarity. The law of diminishing returns usually kicks in pretty hard. In the past I've paid a couple thousand dollars for what I felt was a few hundred dollars worth of improvement, and said, like in the military, "Thank you sir, may I have another!" Here, as good as the iSine20s are, the i4s are really that much better. The i4s are not ISine30s, 40s or even 50s. They are as they are named: LCD i4s.

The LCD i4 is a game changer for me, not firstly because of their micronization of planar magnetic technology, but because they are the first open-backed on-in-ear phone. I am actually not inserting the driver tubes into my ear canal at all. I am using tips that are too large and placing them "on" my ear canal not "in." The effect is something like the old AKG 1000 or other ear speakers but on a smaller scale. If the idea is to leverage a more distant placement to expand soundstage, it works. Everyone that has commented that these "in ears" image like full size headphones are right. I've tried to do something similar to this with my custom and universal IEMs but of course without a seal you lose the bass straight away. This is also true of the iSines. The i4s however can be placed carefully outside the ear canal firing in and the bass still hits deep, hard, and textured.“


Auch bezüglich der grundsätzlichen Idee, überhaupt einen offenen InEar Kopfhörer zu konstruieren, vertritt Edwardsean eine interessante Auffassung:

„When I first got into headphone audio I had an AKG K701 and I was amazed at what it could do. Coming from Sony Walkman phones (yes I’m that old) I thought headphones were just supposed to make tinny, buzzy sounds that you bear with because of portability. You never would have thought to use them at home for real listening like speakers. The 701 made me start to understand what Tyll Hertsens was going on about. Headphones could provide sound with the fidelity of fine speakers. The 701s weren’t there, but then the Grado GS1000s were making me a believer. Suddenly Jerry Harvey came on the scene and said IEMs could provide sound with the fidelity of fine headphones. The JH13s were the start of a decades long pursuit to prove him right.

I could almost convince myself that it was true because though the GS1000s far exceeded the JH13s in soundstage imaging, the JH13s outresolved the Grados. So it was a wash and IEMs were just as good. Only, Sennheiser Germany decided to show the boys from Brooklyn what the modern headphone world was going to look like for the foreseeable future. The HD800 out-staged the GS1000s and out-resolved the JH13s. I recount this little tour of headphone history because ever since the HD800s, and all the full-size open backs that came after, IEMs have never been able to equal full-size headphones. Jerry Harvey was wrong.

The basic problem was this. You’re trying to somehow generate, tame, and manage sound that is being fired from a few needle sized tubes into a tiny sealed inner ear chamber. If closed-back full-size headphone designers had a challenge on their hands, this was an exponentially more difficult problem. The fact that IEM makers manage what they do is a small miracle of miniaturization. The basic acoustic physics are functionally insurmountable.

The answer was obvious. Someone had to create an open-backed in ear phone. And, I can hear every IEM designer say, “You don’t think we thought of that? We thought of that. We all thought of that. We can make it but who wants such a thing?” The reason why it never got made was just as obvious: leakage. Good luck with your open back in-ears at Starbucks or on a crowded train or flight. Music may be filing your ears, but your eyes can still see the strangers staring daggers at you just fine. Not to mention leakage is like getting mugged on a two-way street. Even if those around you wanting quiet don’t murder you, say goodbye to your low-level detail. So as long as IEMs were confined to design within a closed canal the idea that IEMs could be as good as full-size headphones was just that, an idea, a vision, a theory. And then….

I mentioned I had two questions in mind. Two, I took a breath and pulled out that old faithful friend of mine that is the HD800. Yeah, it’s been bettered many times over by now, but grandpa can still fight, and there are some things, namely imaging, where it casts a a pretty wide and deep shadow over its progeny. Okay….“


Und er gelangt zu folgender Schlussfolgerung:

"Long story short. My HD800s are hanging proudly on my wall. I’ll spare you the blow by blow. Let me just say there was a point when I was A/Bing that the thought emerged: “Will I ever listen to the HD800s again?” Yesterday, I was so transfixed by the open-back staging of the i4, but that means nothing put up against the HD800s. Ahhh, but that 0.5 micron membrane though. Will there ever be a review that doesn’t mention “white blood cells”? The end result of the array of technologies deployed by Audeze is that the i4s beat the HD800s in every important audio metric, not just for IEMs but headphone v. headphone. They are faster, bigger, smarter, stronger, and… smaller.

The thing is reviewers have said these kinds of things before about flagships IEMs compared to full-size phones, but they were always stretching. Somewhere in their mind is always factored the inherent limitations needed to be cleared by in ears. This is the first time an IEM can take its place among flagship headphones not as an IEM but as a headphone. On headfi we throw around the term “game-changer” a lot. This is what game changing really is. The i4 has democratized the politics of full-size and in-ears. They did this, in part, through employing their class-leading experience in planar magnetic tech. But, contributing to this just as much is something any company could have done, that is, make an open-back in ear.

Which finally brings me back around to: “Who wants such a thing?” A non-isolating IEM. Audeze was able to challenge the notion that isolation is a non-negotiable for IEMs. This is, to reinvigorate another tired phrase, revolutionary. When Jerry Harvey brought forth audiophile IEMs he encoded isolation into their genetics because they were first conceived for musicians. You can’t tolerate leakage either on stage or in studio. So to recombine the DNA of the IEM itself takes some guts as well as serious engineering. We have here the first real mutation of the form since its inception. The i4 is the first audiophile in ear that breaks altogether with its pro-audio past. There are plenty of applications where leakage can’t be tolerated but the music lover in a home or hotel or at a quiet park is not so constrained.

This device was worth the pains of bringing to realization for this portability and also for the weightlessness of form factor even when at home. It’s like the difference between glasses and contacts. They both correct your vision but, I’ve worn glasses for a long time, it’s hard to forget you’re seeing through a frame and lenses. They allow you to see but they also get in the way a little. It’s the same with full-size headphones. They sound wonderful but we have to bear with the gear on our heads, and even the Abyss isn’t so transporting as to make you completely forget the dark ages dungeon contraption clamped to your head. Don’t get me wrong the i4 looks dorky in its own way, but you only feel dorky, you don’t feel the i4 itself. Along with its vanishingly low distortion and self-effacing transparency, the i4s material sensibly dissolves, leaving only: the music.

Who would want such a thing?“


Nun, dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Und jetzt muss ich unbedingt noch die letzten Sonnenstrahlen auf unserer Terrasse einfangen. Natürlich mit musikalischer Begleitung.

Schönen Abend
Wolfgang
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	KANN & LCDi4.jpg
Hits:	114
Größe:	88,7 KB
ID:	15692  Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	MEDUSA.jpg
Hits:	82
Größe:	78,9 KB
ID:	15693  
__________________
Wer leiser hört, kann länger genießen.

Geändert von fidelio (09.07.2017 um 22:04 Uhr).
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 10.07.2017, 16:52
Caribou Caribou ist offline
 
Registriert seit: 14.12.2010
Beiträge: 304
Standard

Hallo Wolfgang,

hast du den LCDi4 direkt in den USA bestellt?

Dann kommen ja auf den Preis noch Einfuhrumsatzsteuer
von 19 % plus ggf. Zollgebühren drauf.

Gruß Henry
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 10.07.2017, 18:41
musikverein musikverein ist offline
 
Registriert seit: 19.03.2017
Beiträge: 121
Standard

Fantastischer Durchblick und Wortschmiederei @fidelio

Ich hab bis dato nur den iSine20 genauer hören können und der ist derzeit imho die herausragende Personal Audio Innovation von 2017.

Der Use Case von den iWonders ist mir (noch) weniger schlüssig weil die sind schon eher sehr auf indoor begrenzt und treten damit wohl gegen alle Open Kings & Queens an.
Aber sie fühlen sich so leicht und frei im Ohr und am Kopf an, fast schon transzendieren sie das Thema weit ins 21te Jahrhundert.
Magic
Mit Zitat antworten
Antwort


Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
AUDEZE LCDi4 IN EAR Nomax Audiogeräte und Zubehör 1 11.09.2017 09:19
Test AUDEZE SINE DX fidelio Alles Mögliche um Kopfhörer 0 07.08.2017 11:57
Test AUDEZE iSINE10 & iSINE20 fidelio Kopfhörer - Testberichte & Rezensionen 20 13.05.2017 18:23
Test AUDEZE SINE. Die Einstiegsdroge. fidelio Kopfhörer - Testberichte & Rezensionen 16 03.04.2017 06:21
Audeze LCD 2 - Sennheiser HD800 Test. patrykb Alles Mögliche um Kopfhörer 12 07.02.2014 08:54



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:16 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.6.8 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Powered by vBCMS® 1.2.1 ©2002 - 2017 vbdesigns.de